Nestlé – Was steckt hinter den Skandalen?

Das umsatzstärkste Nahrungsmittelunternehmen der Welt Nestlé ist wirklich jedem bekannt. Angefangen bei Süßigkeiten, Wasser, Fertiggerichte über Gesundheitsprodukte bis hin zu Tiernahrung, bietet das Unternehmen im Namen von über 2.000 Untermarken seine Produkte an. Auch du findest bestimmt einige davon in deiner Küche. Trinkst du morgens gerne einen Kaffee von Nespresso oder Nescafé und frühstückst deine Cini Minis dazu? Mittags dann vielleicht eine Pizza von Wagner oder ein Fertiggericht von Maggi? Zum Dessert freust du dich über ein Kitkat, Choco Crossies, Smarties oder doch vielleicht über ein kaltes Eis von Mövenpick? Für dein Baby gibt es Produkte von Bübchen und für dein Haustier das Futter von Purina oder Felix. Und vergiss nicht genügend Wasser zu trinken! Wie wäre es denn mit einer Flasche Wasser von Vittel oder San Pellegrino? Schau doch mal in deine Küchenschränke und werde dir bewusst, von wie vielen Nestlé-Produkten du täglich umgeben bist.

https://nestleboycott.wordpress.com/category/nestle-marken/

Nestlé ist in 187 Ländern aktiv und betreibt circa 450 Produktionsstätten. An der Börse ist das Unternehmen knapp 270 Milliarden Euro wert und hat damit einen doppelt so hohen Marktwert wie Volkswagen und Daimler zusammen. Klingt doch alles nach einer sehr guten Erfolgsgeschichte! Nun kommt es darauf an, was das Unternehmen daraus macht und ob es seine Macht für gute Zwecke nutzt.

Auf der Homepage wirbt das Unternehmen mit seinen Unternehmensgrundsätzen. Diese beinhalten unter anderem die Achtung der Menschenrechte, Ökologische Nachhaltigkeit und die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen. Doch sind dem Unternehmen diese Grundsätze wirklich so wichtig, wie sie es vorgeben?

Nestlé wird schon lange in den Schlagzeilen kritisiert und hat mittlerweile keinen besonders guten Ruf mehr. Es heißt, dass Nestlé sein Geld auf Kosten der Umwelt und auf Kosten der Menschen verdient. Aber was sind das eigentlich für Skandale und was steckt dahinter?

Wasser ist kein Grundrecht

Bei dem bekanntesten Skandal geht es um Trinkwasser. Nestlé kauft weltweit Wasserrechte von staatlichen Wasserbehörden und hat so die Möglichkeit Grundwasser abzupumpen. Dieses Wasser wird von Nestlé gereinigt, in Plastikflaschen abgefüllt und dann unter unterschiedlichen Namen, wie beispielsweise „Nestlé Pure Life“ verkauft. Insgesamt hat das Unternehmen 95 Produktionsstandorte in 34 verschiedenen Ländern. Das Problem: Die Privatisierung. Die vereinten Nationen (UNO) erkannten bereits 2010 das Recht auf Trinkwasser als menschliches Grundrecht an. Das sah der ehemalige Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe nicht so und erklärte, dass für ihn Wasser einen Preis haben müsse, da es kein Grundrecht der Menschen sei. Und diese Einstellung hat Nestlé auch bewiesen.

Unter den 34 Ländern, in denen Nestlé das Grundwasser abpumpt, sind auch Länder wie Afrika, Pakistan und Äthiopien enthalten. Diese Länder sind bekannt für das Problem des Wassermangels und dennoch wird ihnen das Wasser genommen.

Im Frühjahr 2017 kam beispielsweise heraus, dass Nestlé in Äthiopien zusammen mit einem lokalen Getränkehersteller eine Wasserabfüllanlage errichtete, in der seitdem pro Stunde 50.000 Liter Wasser in Flaschen abgefüllt werden, während circa 42 Millionen Äthiopier zur selben Zeit ohne Trinkwasser lebten.

Nestlé äußert sich nicht zu den einzelnen Skandale, aber wirbt auf seiner Homepage mit vielen sozialen Projekten. Sie erklären, dass sie natürlich auch etwas für die Menschen vor Ort tun und ihnen das Wasser nicht klauen. Nur leider stimmt das auch nicht ganz. In dem Dokumentarfilm „Bottled Life“ wird das Geschäft mit dem Wasser von Nestlé unter die Lupe genommen (Die Doku kann ich jedem nur empfehlen!). In dieser Dokumentation fliegt der Reporter sogar in die Gebiete, in denen Nestlé vorgibt, Projekte zu unterstützen. Nur leider suchte er vergeblich. Die Bewohner und Arbeiter erklären, dass sie große Probleme mit defekten oder maroden Wasserbrunnen und Förderanlagen haben und ihnen niemand hilft, diese wieder aufzubauen oder zu reparieren. Nestlé hätte das letzte Mal vor circa sieben oder acht Jahren geholfen (Die Dokumentation ist aus dem Jahr 2012). Dennoch wirbt Nestlé heute noch auf ihrer Homepage mit diesen Projekten. Nur leider mehr Werbung als Realität.

Nestlé tötet Babys

Vor 150 Jahren begann der Aufstieg von Nestlé durch die Vermarktung von Babynahrung. Auch heute noch verkauft das Unternehmen Babynahrung unter den Namen „Beba“, „Ceralac“ und „Little Steps“. Doch leider fing das Geschäft mit einer ziemlich schlechten Strategie an und auch heute noch stehen die Produkte im Zweifel.

Zunächst begann Nestlé mit einem Projekt in Entwicklungsländern. Es wurden Schauspielerinnen als Krankenschwestern ausgegeben, die den Eltern kostenlose Milchpulverproben gaben und versicherten, dass das Pulver sogar noch gesünder sei, als die eigene Muttermilch. Natürlich fielen viele Mütter darauf rein und gaben ihren Babys statt der Muttermilch dieses Milchpulver. Leider stellte sich dann jedoch heraus, dass dieses Pulver gar nicht so gesund sei und die Babys abhängig davon wurden, sodass sie nicht mehr von der Muttermilch gesättigt waren. Zu diesem Zeitpunkt fing Nestlé damit an, das Pulver zu verkaufen und nicht mehr kostenlos bereitzustellen. Somit waren die Mütter gezwungen, das Pulver für ihre Babys zu kaufen und benutzten dafür das Wasser aus ihren eigenen Quellen. Diese sind jedoch nicht sauber und können oftmals Infektionen oder Krankheiten übertragen, woran dann auch viele Babys sterben mussten. Sie hätten ja einfach das Wasser von Nestlé kaufen können, statt das verdreckten Wasser aus ihren eigenen Quellen zu nutzen?!  (Achtung Ironie)

http://thederangedhousewifeonline.blogspot.com/2012/08/subversive-marketing-tactics-nestle.html

Um solches Vorgehen zu vermeiden und die Gesundheit von vielen Babys nicht mehr zu gefährden, legte die Weltgesundheitsorganisation WHO einige Regeln fest: Die Werbung von Milchpulver für Neugeborene in Krankenhäusern wurde verboten; Unternehmen durften keine kostenlosen Proben mehr verteilen und Ärzte durften keine Geschenke von Unternehmen annehmen, damit sie Milchpulver verschreiben.

2015 kam jedoch bei den Recherchen von „Markencheck“ heraus, dass Nestlé gegen all diese Regeln verstößt und scheinbar immer noch viele Babys darunter leiden müssen.

Abgesehen von den Skandalen in Entwicklungsländern, drehen sich auch viele Schlagzeilen um die Produkte auf unserem Markt. Immer wieder startet das Unternehmen Rückrufaktionen für die angebotene Babynahrung. „Bei den Labortests wurden in dem Milchpulver aromatische Mineralölbestandteile nachgewiesen, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen“, berichtete foodwatch im Oktober 2019. Meiner Meinung nach, sollte sowas nicht vorkommen, und erst recht nicht bei Baby-Nahrung! Nestlé spielt mit dem Leben vieler Säuglinge und niemand scheint etwas dagegen tun zu können.

Kindersklaverei für den Genuss von Schokolade

https://www.derbund.ch/die-schokolade-industrie-kriegt-die-kinderarbeit-nicht-in-den-griff-344955166971

Bereits im Jahr 2001 kam der Skandal auf, dass Nestlé und der Lebensmittelhersteller Mars ihren Kakao aus Kinderarbeit beziehen. Sie kaufen sehr günstigen Kakao ein, ohne zu wissen woher dieser stammt und wer genau dafür gearbeitet hat. Um die Kindersklaverei zu mindern, unterzeichneten Nestlé, Mars und Hershey im selben Jahr noch ein Abkommen. Dieses bestätigte, dass durch gezielte Initiativen und Kontrollmechanismen die Kinderarbeit im Kakaosektor bis 2005 beendet werden sollte. Das waren nur leider wieder leere Versprechen mit viel Aufsehen. Bis heute ist die Zahl der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen sogar noch gestiegen und die Unternehmen innerhalb des Abkommens konnten immer noch keinerlei Verbesserungen verzeichnen. Viele neue Regelungen und Gesetze werden nicht eingehalten und es wurde ein neues Ziel vereinbart: 2020 soll das Ziel erreicht werden, Kinderarbeit weltweit um 70 Prozent zu senken. Zwar ist das nicht identisch mit dem ursprünglichen Ziel, dennoch wäre es ein großer Schritt in die richtige Richtung. Mal sehen, was für Werte uns in einem Jahr vorliegen werden.

Müllberge und die Zerstörung von Regenwäldern

Als ein so großer Konzern und mit so viel Einfluss sollte das Unternehmen alles daran setzen, nachhaltig zu produzieren und die Umwelt zu schonen. Aber leichter gesagt, als getan. Nestlé ist natürlich auch bekannt für seinen Plastikmüll. Zwar sprechen sie öffentlich davon, zu versuchen, alles umweltfreundlicher zu produzieren, aber verkaufen zur selben Zeit unzählige Einweg-Nespresso-Plastik-Kapseln.

https://www.rtl.de/cms/muell-zum-mitnehmen-die-schattenseite-der-neuen-essgewohnheiten-4118745.html

Greenpeace wirft Nestlé 2019 vor, der größte Plastikverschmutzer weltweit zu sein. Innerhalb von einem Jahr produzierte Nestlé 1,7 Millionen Tonnen Plastik, welches einer Steigerung um 13 Prozent zum Vorjahr entspricht. Das ist wirklich eine große Menge an Plastik, welches in unserer Umwelt und letztendlich zu einem erschreckend großen Teil in unseren Meeren landet.

Abgesehen von der Belastung der Umwelt durch den Müll, verwendet Nestlé außerdem leider immer noch zu viel Palmöl.


Palmöl ist das günstigste und meist produzierte Öl weltweit, lässt sich leicht verarbeiten und hat außerdem einen hohen Ertrag. Es wird am meisten für die Herstellung von Kosmetikartikeln und Lebensmitteln verwendet. Eine durchschnittliche Plantage erzielt 3,7 Tonnen Palmöl pro Hektar (zum Vergleich: Ein Hektar Raps kann zu bloß 0,7 Tonnen Öl verarbeitet werden).

Viele Regenwälder werden extra für die Erzeugung von noch mehr Palmöl gebrandrodet und zerstört. Dadurch geht uns nicht nur die einmalige Artenvielfalt dieser Wälder verloren, sondern es werden zusätzlich innerhalb weniger Wochen so viele Treibhausgase frei, wie Deutschland in einem ganzen Jahr ausstößt.


 

Nestlé nimmt nach eigenen Angaben fast ein Prozent der weltweiten Palmölproduktion pro Jahr ab, also knapp 420 000 Tonnen. Dafür müssen einige Regenwälder und Tiere hinhalten. Abgesehen davon, dass die Natur sehr darunter leidet, wird das Palmöl natürlich auch noch aus Kinderarbeiten bezogen.

https://blog.wwf.de/nestle-palmoel-rspo/

Fazit

Geld ist Macht und Nestlé hat sowohl viel Geld, als auch viel Macht. Der Konzern sollte sich nicht nur auf seinen Erfolg fixieren und nicht die Augen zur Realität schließen. Sie sollten versuchen, die Welt aufrechtzuerhalten. Sie sollten hinter ihren eigenen Grundsätzen stehen und für die Menschenrechte kämpfen. Sie sollten weniger Regenwälder zerstören und nachhaltiger produzieren. Sie sollten keine Menschen ausnutzen, sondern sich an den Menschen stärken. Sie sollten jedoch vor allem anfangen, etwas zu ändern! Das wird nur nicht leicht…

Ich wusste bereits, dass Nestlé kein ungeschriebenes Blatt ist und vor vielen Skandalen geradestehen musste. Dennoch war mir nicht bewusst, was für ein Ausmaß das alles angenommen hat und wie weit das Unternehmen gegangen ist und wahrscheinlich sogar noch gehen würde. Durch diesen Beitrag habe ich meine Augen ein bisschen weiter öffnen können und werde versuchen, in Zukunft entweder ganz – oder zumindest so gut es geht – auf Nestlé-Produkte zu verzichten. Ich möchte dieses Unternehmen ohne Scheu, Reue und Rück und ohne Rücksicht nicht unterstützen.

Falls auch du vielleicht in Zukunft auf die Produkte verzichten möchtest, bereits darauf verzichtest oder du einfach noch weitere Skandale ansprechen möchtest, würde ich mich sehr über einen Kommentar von dir freuen!

Teile dich mir mit und lass uns gemeinsam über den Tellerrand schauen…

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und bleib gesund!

In Liebe,

Dilara

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Ein Kommentar zu “Nestlé – Was steckt hinter den Skandalen?

  1. Halo Dilara danke für die Herausarbeitung und zur Verfügung-stellen dieser Informationen in diesem Fall über Nestle. Was schlimm ist, dass die Regierungen da mitmachen und wissentlich ihre Bevölkerung, die sie als Hoffnung gesehen und gewählt haben, in schlechte Lage bringen.. Vielleicht sollten doch alle Abgeordnete einer Regierung, die über eine Änderung Einfluss hatten (auch eine Zustimmung an einem Gesetz oder Entscheidung im Parlament), zur Verantwortung gezogen werden. Aktuelle Demokratie ist noch nicht ausgereift..

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